Pressemitteilung der Lila Hilfe zum Debanking der Roten Hilfe und anderer linker Organisationen
vom 01.01.2026Mit großer Bestürzung und Sorge haben wir in der letzten Woche von den Kündigungen der Konten der Roten Hilfe sowie anderen linken Organisationen und Einzelpersonen durch die GLS Bank und die Sparkasse Göttingen erfahren. Die Rote Hilfe unterstützt seit über 100 Jahren linke, von staatlicher Repression betroffene Aktivist:innen und zählt mit ca. 19.000 Mitgliedern zu den größten Organisationen der linken und Arbeiter-Bewegung.
Am 23.12.2025 teilte die Rote Hilfe mit, dass zunächst die Sparkasse Göttingen alle ihre Konten gekündigt habe. Wenige Zeit später folgte die GLS Bank und kündigte ebenfalls alle laufenden Konten des Vereins. Während die Kündigung durch die Sparkasse ohne weitere Erklärung erfolgte, hatte sich die GLS Bank zuvor bei der RH nach den Verbindungen des Vereins zur sogenannten „Antifa Ost“ erkundigt und anschließend ebenfalls ohne Angaben von Gründen gekündigt. Wahrscheinlich steht die Entscheidung der autokratischen Trump-Regierung, die „Antifa Ost“ und weitere europäische linke Gruppierungen als ausländische Terrororganisationen einzustufen, im Zusammenhang mit den Kündigungen. Banken droht der Ausschluss aus dem internationalen Zahlungsnetzwerk SWIFT, wenn sie mit Organisationen auf US-Terrorlisten in Verbindung stehen. Auch wenn diese Einschätzung im Falle von „Antifa Ost“ von der Bundesregierung ausdrücklich nicht übernommen wurde, übt die US-Regierung damit erheblichen Druck auf deutsche und europäische Banken aus. Sollte dies der Grund für die Kündigungen sein, handeln sowohl die Sparkasse Göttingen als auch die GLS Bank in vorauseilendem Gehorsam mit einem autokratischen Regime. Die GLS Bank versicherte erst auf öffentlichen Druck in einem Statement, dass sie eine soziale Bank sei und demnach zivilgesellschaftliche Projekte und Vereine ihr am Herzen lägen – sie aus sicherheitspolitischen Gründen jedoch einzelnen Kund:innen gekündigt hätten. Das bedeutet letztlich aber, dass die Rote Hilfe von der GLS Bank geopfert wurde und die GLS sich bei zunehmendem politischen und wirtschaftlichen Druck nicht scheut, ihre Prinzipien über Board zu werfen. Dieses Verhalten dient lediglich dem Zweck, anderen, als harmloser erscheinenden Vereinen weiterhin Bankgeschäfte anbieten zu können. Trotz der Versicherungen der GLS Bank kann so ein Vorgehen dementsprechend jeden (!) Verein treffen.
Auch wir sind Kundinnen der GLS Bank und müssen uns nun damit auseinandersetzen, dass unser Konto, unsere finanzielle Infrastruktur und damit auch die Möglichkeit der Solidaritätsarbeit für gewaltbetroffene und gegen das Patriarchat kämpfende Frauen jederzeit je nach politischem Willen von Banken und Regierungen gekündigt werden könnten.
Wir sind bewusst strukturell und finanziell von politischen Institutionen und Steuergeldern unabhängig, um auch dann, wenn sich der politische Wind dreht und der Rechtsruck voranschreitet , unsere Arbeit fortsetzen zu können. Dies haben wir von der Roten Hilfe gelernt, die seit jeher unabhängig von staatlichen Strukturen geblieben ist – auch aus dem historischen Wissen heraus, dass sich linke, emanzipatorische und feministische Kräfte niemals auf den Staat verlassen können.
Wir fordern die GLS Bank und die Sparkasse Göttingen auf, sich nicht auf die globalpolitischen Spielchen autoritärer Regime einzulassen und solidarisch, wie sie von sich selbst behaupten, an der Seite linker und emanzipatorischer Projekte zu bleiben. Nehmt die Kündigungen zurück!
Wir fordern alle linken und feministisch eingestellten Menschen auf, mit den betroffenen Organisationen solidarisch zu bleiben und die Arbeit, die wir, die RH und andere Solidaritätsorganisationen unabhängig vom Staat leisten, ernsthaft zu unterstützen – werdet Mitglieder und teilt diese Info in euren Kreisen!
Solidarität klappt nur gemeinsam – feministisch, solidarisch und unabhängig!